Abmeldung vom ADAC Supermoto Junior Cup Print
Written by Andreas Huthmacher  
24. April 2008

Wie bereits im letzten Bericht zum 1. Lauf der Österreichischen Staatsmeisterschaft beschrieben, hatte Lenno durch das Testen der im ADAC Supermoto Junior Cup vorgeschriebenen Heidenau K66 Cup Reifen eine nicht zu übersehende Verunsicherung in seiner Fahrweise und Fahrqualität bekommen. Auf Grund dieser Tatsache hatte Lenno den Wunsch geäußert nicht am ADAC Supermoto Junior Cup teilzunehmen, da er mit dem Heidenau K66 Cup Reifen nicht weiter fahren möchte.

Es ist sicherlich schade, dass Lenno nicht beim ADAC Supermoto Junior Cup dabei ist, die Absage erfolgte auf Lenno's ausdrücklichen Wunsch. Lenno wäre sicherlich eine Bereicherung für diese Rennserie, er ist erst 8 Jahre alt, und hatte auf Grund seiner sehr guten Fahrpraxis und Fahrqualität eine Ausnahmegenehmigung für diese Rennserie erhalten. Sicherlich kann Lenno im Detail nicht immer an die Leistung eines 11-12 jährigen Fahrer anknüpfen, tatsächlich ist es aber dennoch so, dass er in der Lage ist unterschiedliche Reifen zu beurteilen.

Lenno ist mit dem Heidenau K66 Cup Reifen einige Turns in Castelletto und Ottobiano gefahren, ein paar Tage später hat er beim Training Anfang April in Schaafheim bei Kälte und Regen mit dem angefahrenen Heidenau K66 Cup Reifen teilgenommen. Solange es trocken und der Reifen neu ist, ist es sicherlich kein großes Problem, abgesehen davon, dass der Reifen bei einer gewissen Außentemperatur anfängt oberflächlich auf zu schmelzen und weg zu rutschen. Dieses Phänomen ist anderen Fahrern durchaus auch bekannt. Interessant wird es jedoch, wenn es kalt, feucht oder nass ist, und zwar dann, wenn der Reifen bereits angefahren ist. Der Heidenau K66 Cup Reifen hat an der Oberfläche eine Vielzahl von kleinen Querrillen. Diese sind speziell für Nässe und Feuchtigkeit vorhanden, fahren sich aber bei trockener Strecke sehr schnell ab. Anschließend passiert genau das, was Lenno in Schaafheim zweimal passiert ist. Man rutscht ohne Vorwarnung über den Vorderreifen weg, nicht deswegen weil die Geschwindigkeit zu hoch ist, sondern weil sich über den abgefahrenen Bereich ohne Lamellen kein Grip mehr aufbaut.

Theoretisch würde das aber bedeuten, dass man vor jedem Lauf, sofern das Wetter nicht eindeutig ist, was in Deutschland durchaus öfter vorkommt, einen neuen Reifen aufziehen müsste, da man sonst Gefahr läuft mit einem angefahrenen Reifen entweder langsam hinterher zu fahren, oder aber unfreiwillig vom Motorrad ab zu steigen.
Ich habe Rundenzeiten, Reifentemperaturen gemessen, eine Vielzahl von nachhaltigen Daten, so dass die hier getätigten Angaben jederzeit nachvollziehbar sind.

In mehreren Telefonaten, Gesprächen und Mails habe ich versucht auf dieses Problem aufmerksam zu machen, es ging seitens des ADAC schließlich immer um den Aspekt der Kostenersparnis beim Reifenkauf für die eingeschrieben Cupfahrer. Ob diese Variante unter dem Aspekt der Sicherheit für die Fahrer zu einer Kostenersparnis führt wage ich zu bezweifeln.
ADAC und Heidenau haben eine Rennserie ins Leben gerufen, dies ist sicher positiv. Jedoch wurde von diversen Personen Reglementpunkte aufgestellt ohne über die Konsequenz nachzudenken, zudem ist man auf keinen Fall bereit auch nur 1mm von Reglement abzurücken, dann müsste man ggf. eingestehen einen Fehler gemacht zu haben. Diverse kompetente Leute haben auf Nachfrage seitens des ADAC immer wieder Empfehlungen ausgesprochen, gelegentlich hat man den Eindruck der ADAC holt sich den Rat bei Sachverständigen Personen und macht anschließend genau das Gegenteil.

Ein absoluter Topfahrer in der Supermoto IDM S1 wird vor ein paar Tagen vom ADAC angerufen und man fragt ihn, was bzgl. der Reifenregelung beim ADAC Supermoto Junior Cup gemacht werden sollte, was seine Einschätzung ist. Die Empfehlung des Topfahrers war die, sich die Reglements in Österreich oder in der Schweiz an zu sehen, dort gibt es in dieser Klasse keine Reifenbindung.
Warum fragt man diese Leute überhaupt um ihre Meinung, es wird im Anschluss ohnehin was anderes gemacht.

Liest man Berichte im Internet oder in Motorsportzeitungen, so kommt man immer wieder zu der Erkenntnis, dass der Deutsche Motorradrennsportler nicht wirklich besonders beliebt ist.
Es werden unsinnige Reglements aufgestellt, warum auch immer.
Warum wandern immer wieder Nachwuchstalente ins Ausland ab?. Kommen diese dann doch erfolgreich aus dem Ausland zurück, klopft man sich beim ADAC auf die Schulter, macht ein paar Bilder für Magazin, und ist "unglaublich" stolz auf die jeweiligen Fahrer.
Klappt es dann mal nicht, werden die jungen Nachwuchsfahrer, unabhängig von der Rennserie, in der Öffentlichkeit, in den Medien vor verurteilt, getreu dem Motto - „aus dem wird doch sowie so nichts mehr“.

Stephan Bradl ist doch das beste Beispiel. Jetzt ist er der Größte, Anfang 2007 war er der Verlierer, alle haben über ihn her gezogen.

Das nennt man dann in Deutschland Nachwuchsförderung, herzlichen Glückwunsch ! Jetzt holt der ADAC Bernd Hiemer für die Nachwuchsbetreuung beim ADAC Supermoto Junior Cup, und schon wieder kann man sich auf die Schulter klopfen.

Es wäre sinnvoller eine Rennserie oder einen Cup nicht mit einer unsinnigen Reifenbindung zu belegen, sondern jeden Fahrer selbst entscheiden zu lassen, mit welchen Reifen vom jeweiligen Hersteller er fahren möchte. Denn Fahrer in diesem Alter sind durchaus in der Lage hier verbindliche Aussagen zu tätigen und Entscheidungen zu treffen.


Lenno hat seine Entscheidung getroffen. Er fährt in 2008 wie geplant die Österreichische Staatsmeisterschaft. Anstelle des ADAC Supermoto Junior Cup nimmt er an der Schweizer Meisterschaft der FMS in der Kategorie Youngster, Klasse 85ccm teil.

Solange in Deutschland beim ADAC Supermoto Cup Junior oder Youngster Cup eine Reifenbindung vorhanden ist, wird Lenno nicht mehr in Deutschland bei diesen Rennserien fahren.